„Von Haus zu Haus, 1991

„Von Haus zu Haus, 1991

11. Projektionen

Auf einer alten Visitenkarte (Archivfund) bezeichnete Thomas Bachler sich als „Lichtbildner“, diese vergessene Berufsbezeichnung passt eigentlich sehr gut als Auftakt für diese Doppelseite. Mehrmals hat er mit Diaprojektoren gearbeitet (siehe „Lausige Schatten“), so auch für die Ausstellung „Von Haus zu Haus“ in der Produzentengalerie Kassel. Auf die Galeriefenster werden Vogelsilhouetten mittels Teleprojektion von der anderen Straßenseite aus gestrahlt. Der riesige Galerieraum blieb ansonsten leer. Die Silhouetten hat er den schwarzen Aufklebern entlehnt, mit denen Singvögel vor großen Glasscheiben abgeschreckt werden – eine spielerische Umdrehung der Verhältnisse und gewiss schön anzusehen. Etwas mehr Tiefgang bietet die Rauminstallation „Der Blick durch auf Dinge durch die Dinge“. Hier wurden die Fenster des Galerieraumes (Künstlerhaus Göttingen) komplett mit Filmen verklebt. Diese speziellen Filme (es handelte sich um sog. Lithfilme aus der Druckindustrie) zeigen per Fotogrammabbildung Dinge, die gerne auf Fensterbrettern stehen: Vasen, Nippesfiguren, ein Radio etc. Diese Schattenabbiildungen bieten jetzt die einzige Möglichkeit, nach draussen zu sehen, ist doch der Lithfilm in diesen Bereichen glasklar. Man schaut also tatsächlich durch die Dinge auf die Dinge. Hier bringt Bachler natürlich das Goethezitat „Man sieht nur, was man weiß“ ins Spiel – die Dinge formen unsere Wahrnehmung und werden deshalb erkannt, weil  wir sie wiedererkennen.

„Der Blick durch Dinge auf die Dinge, 1995

„Der Blick durch Dinge auf die Dinge, 1995