Lochblendenbohrung

Lochblendenbohrung

18. Bon Voyage!

Eine Arbeit über die Zentralperspektive, das Autofahren und den Fluchtpunkt. Thomas Bachler erhielt für die „Bon Voyage“ Idee leihweise einen Mercedes Kleinlaster, den er zu einer fahrenden Lochkamera umbaute. Auf 1,5 x 1 m großen Filmen wurde durch ein kleines Loch in der Hecktür die zurückgelegte Wegstrecke belichtet. Diese Belichtungen konnten bis zu einer Stunde (bzw. bis zu 100 km Wegstrecke) dauern. Tests hatten ergeben, dass es völlig egal ist, ob die Straße nach vorn oder nach hinten aufgenommen wird; das Bildergebnis ist identisch, so Bachler, auf der Straße man ist letztlich zwischen zwei Fluchtpunkten gefangen. Die Erfindung des Fluchtpunktes habe zwar dem Menschen die Räume geöffnet, so erläutert er, ihn aber auch allein gelassen – allein innmitten unerreichbarer Fluchtpunkte, da können man sozusagen Fluchtpunktplatzangst bekommen. Immerhin schlägt er mit dieser Arbeit eine Brücke von der Frührenaissance (Erfindung der Zentralperspektive) bis hin zum modernen Fluchtpunkt, den im Horizont zu einem flüchtigen Punkt zusammenlaufenden Autobahnspuren den wir nie erreichen können, so schnell auch gefahren wird. Ich selber konnte diese Camera obscura Bilder in Zürich sehen; sie hingen so im Ausstellungsraum, dass durch den Film der vorbei brausende Autoverkehr schemenhaft aufblitzte. Glücklicherweise wurde eines dieser Aufnahmen in die Fotosammlung Winterthur übernommen.

Bon Voyage – Ausstellung, 2001