Testbild zur Tiefenschärfe (Papiernegativ)

Testbild zur Tiefenschärfe (Papiernegativ)

19. Der nahe Horizont

Auch eine Arbeit, die sich mit der Perspektive befasst, nur kommen hier die Bildergebnisse deutlich gefälliger einher. Eine technische Besonderheit der Lochkamerablende ausnutzend – ihre gewaltige Tiefenschärfe reicht von Unendlich bis praktisch 1:1 – konstruiert er eine Reisekamera und fährt mit ihr fünf Wochen durch Schweden. Bachler hatte sich vorab intensiv mit August Strindbergs visionären fotografischen Versuchen und seinen Reisebeschreibungen befasst. So beginnt er, Naturaufnahmen anzufertigen, auf denen die kleinen Dinge im Vordergrund (Steine, Gräser, Gewächse) gleich wichtig, gleich scharf wie die Landschaftsformationen im Hintergrund sind. Ein völlig unverhoffter Fotoauftrag kommt ihm dabei in die Quere: Redakteure der Vogue waren durch eine Veröffentlichung seiner Polaroids („Das optische Tagebuch“) auf ihn aufmerksam geworden und ließen ihn kurzerhand nach München einfliegen, wo er mit seiner SX 70 Polaroidkamera eine Woche lang für das Journal fotografierte (siehe Vogue 11/98). Nebenbei bemerkt, sein einziger nennenswerter Fotoauftrag, von den Aufnahmen für das Parkmuseum Düsseldorf-Benrath einmal abgesehen. Wieder zurück in Schweden beendet er seine Serie, jedoch wirken die Bilder nach der Münchenunterbrechnung einfach etwas glatter, oberflächiger. Die radikale, die Landschaft sezierende Sichtweise schien ihm durch durch die Münchner Livestyleattacke offenbar verlustig gegangen zu sein.

aus der Serie „Der nahe Horizont“, 1998

aus der Serie „Der nahe Horizont“, 1998