Bachlers Polaroid – Archivkasten

2. Das optische Tagebuch

Als Abiturient erwarb sich T. Bacher eine SX 70 Polaroidkamera – ein Kamera, die schon in den 70ern Kultstatus besaß, erzeugte sie doch Bilder mit eigentümlich kalter Farbwiedergabe. Bachler sog diese Ästhetik begierig auf und fotografierte nicht ohne Geschick alltägliche Szenen : Das Zuhause, die nähere Umgebung, den eigenen Körper, Dinge des täglichen Lebens etc. Eine Entdeckungsreise mittels der Polaroidkamera begann. Die Welt wurde auf ihre Bildertauglichkeit überprüft, die eigenen Sehgewohnheiten geschult. Mit Sicherheit ein wichtiger Entwicklungsprozess, der ihn weg von manuellen, zeichnerischen Lösungen führte und ihm die Ausdrucksmöglichkeiten der Fotografie nahebrachte. Doch zwischen Abitur und dem Kunststudium lagen noch Aufenthalte an der Universität Hamburg sowie beim Militär an. So kam er erst mit dreieinhalbjähriger Verspätung an die Kunstakademie Kassel. Eine banale Überlegung hatte ihn nach Nordhessen geführt: Für die Aufnahmeprüfung in Kassel gab es drei Tage Sonderurlaub vom Militär, bei anderen Akademien wären es lediglich zwei gewesen. Also: Ab nach Kassel!

aus „Das optische Tagebuch“ ohne Jahr