„Neutralgrau“, ohne Jahr

„Neutralgrau“, ohne Jahr

23. Ohne Worte

Thomas Bachler neigt dazu, seine Arbeiten gleich mit zu erklären. Präventiverklärungen, um den oft schlecht gestellten Fragen zuvorzukommen, meint er dazu. Aber über ein paar Arbeiten verliert er keine Worte, so z.b. über die „Trophäenschau“, eine Fotoreportage zum Thema Jagd. Diese dokumentarische Fotoserie zeigt die vielen Arbeitsschritte vom Erlegen des Rehes bis hin zur Anfertigung der Geweihtrophäe, also wie ein Lebewesen nach und nach in einem Gegenstand verwandelt wird. Die Serie „Zwei linke Hände“ zeigt ungewohnte Schattenbilder. Hier werden keine kindlichen Tierfiguren, sondern – soweit dies mit den Händen überhaupt möglich ist – abstrakte Schattenfiguren geformt. Die gesamte Arbeit sei irrtümlich von ihm weggeworfen worden, räumt er auf Nachfragen zerknirscht ein. So müssen wir hier auf Abbildungen verzichten. Eine weitere, schwer einzusortierende Arbeit von ihm sind die „Grauen Flächen“. Große S/W- Fotoabzüge (bis 2,4 x 3m), die, ausser vergrößerten Staubkörnern kein Motiv zeigen. Bachler hatte einfach nur das Papier leicht belichtet, um die gewünschte Graustufe zu erzeugen. Hierzu äussert er sich etwas, verweist auf das Neutralgrau als fotografische Zusammenraffung aller überhaupt möglichen Motive etc. Weiter Fragen blockt er ab. Über Medienkunst werde sowieso viel zu viel geredet und geschrieben. Wir schweigen und wenden uns der Flasche Radebeuler Grauburgunder zu.

aus „Trophäenschau“ 1996