Diakasten

Diakasten

26. Was macht der Mensch?

„Als Kind durfte ich oft mit meinem Vater zur Landesbildstelle gehen. Dort gab es hunderte von hölzernen Diakästen, die gefüllt waren mit Lichtbildern zu speziellen Unterrichtsthemen: „Unsere heimische Tierwelt“ etwa oder „Die deutschen Mittelgebirge“. Es war einfach phantastisch, diese vielen feinen Kästen zu sehen“ Bachler kommt sofort ins Schwärmen, wenn es um hölzerne Diakästen geht. Ich schaffe es nur mit Mühe, ihn auf den Punkt der „Was macht der Mensch?“- Arbeit zu lenken. Im ging es schon darum, formal wie inhaltlich an dieses Diaarchiv anzuknüpfen, sagt er. Nur hätte er sich nicht mit einem Spezialgebiet, sonder mit einem ganz grundlegenden Thema befassen wollen – dem, was Menschen eigentlich so machen. Dank des verwendeten extremen Teleobjektivs würden allen Fotos eine Aura des voyeurhaften anhaften, man meint, an verbrecherischen Dingen teilzuhaben. Seine Betitelung unterstütze, lenke diese Leserichtung natürlich. Aber im Grunde sei alles, was man auf diesen Dias sähe, völlig harmlos. In interessiere diese zutiefst menschliche Eigenschaft, andere zu beobachten. Er verwies noch auf Ernst Jüngers Gedankengang, dass schon der Mensch schon immer, im Gegensatz zum Tier, ins Feuer schauen konnte und bis heute bei extremen oder gar grausamen Szenen nicht davon ablassen kann, hinzusehen. Hinsehen als Grundlage des Menschseins.

aus „Was macht der Mensch?“. 1997

aus „Was macht der Mensch?“. 1997