„Fremdenzimmer“, 2003

„Fremdenzimmer“, 2003

27. Am Fenster

Bachler selbst ist ein begnadeter Fensterblicker. Er kann immer wieder zum Fenster gehen, hinausschauen um dabei seinen Blick eher ins Leere als auf die Straße zu richten. „Zehn Minuten aus dem Fenster zu sehen sei informativer als zehn Minuten Fernsehnachrichten“ so seine Einstellung. Die Idee, eine selbstgebaute Panoramakamera zu nutzen, die, auf dem Fensterbrett platziert, den Innen- wie den Aussenraum gleichzeitig auf ein Negativ bannt, konnte in Celle realisiert werden. Dort entstanden im Sommer 2000 ca. 60 Aufnahmen, die in ihrer Gegenüberstellung von privatem Innenraum und öffentlichem Aussenraum ein sehr ungewöhnliches Stadtportrait abliefern. Im Ausstellungskatalog nennt Frau Dr. Pahnhans-Bühler diese senkrechte Linie zwischen innen und aussen treffend den „kleinen Horizont“. Bachler nutzte diese Kamera später noch einmal, um das Kasseler Schloss Wilhelmshöhe samt Park abzulichten; diese Bilder wurden in der Ausstellung „Lichtgefüge“, 2011, im Schloss gezeigt.

Es gibt noch weitere Arbeiten, die den Fensterblick thematisieren, so die Videoarbeit „Fremdenzimmer“. Hier nimmt eine Standkamera die eigentümlichen Lichterscheinungen  in Räumen auf, deren Fenster zugezogen waren. Streng genommen handelt es sich bei diesen Lichtstreifen um eine anamorphotisch verzerrte und sehr unscharfe Camera obscura Projektion der Aussenwelt.

aus der Serie „Am Fenster“, ab 1999