28. Kameras

Wer Fotos aufnehmen will, benötigt dazu eine Kamera. Das man auch seinen eigenen Körper als Kamera nutzen kann, hat T. Bachler eindrucksvoll aufgezeigt, doch soll hier von den „richtigen“ Apparaten die Rede sein. T. Bachler hat ein ausgesprochen intimes Verhältnis zu seinen Kameras. Auffallend hierbei ist, dass es eine regelrechte Symbiose von Arbeit und dazugehöriger Kamera gibt: Niemals wird eine Kamera für einen neuen Zweck verwendet. Wie eine in Ungnade gefallen Geliebte wird die Kamera nach Abschluss der jeweiligen Arbeit einfach für immer zur Seite gelegt und, da es sich ja um Kameras und nicht um Menschen handelt meist verkauft, verschenkt, zerlegt oder weggelegt. Ein paar Apparate seien hier erwähnt: Ein Mercedes Bus (Bon Voyage), eine selbstgebaute Panoramakamera (Am Fenster), eine großformatige Laufbodenkamera (Im Park), eine Nikon F2 mit 500 mm Spiegeltele (Was macht der Mensch), diverse unterschiedliche Lochkameras (Portrait, Der nahe Horizont, Reiseerinnerungen, Tatorte…), eine Hasselblad 500 CM (Übers Lesen), eine Plaubel Messsucherkamera für die „Awake – Asleep“ Fotos, eine SX 70 Polaroid (Das optische Tagebuch) und eine Linhof 612 für die Dresdenfotos.

Digitale Kameras werden mit Verachtung abgestraft. „Wer sich an eine Hasselblad oder an eine Leica gewöhnt hat, kann diesen digitalen Plasteklumpen nur mit Abscheu entgegegentreten“, so seine Worte. Und ergänzt: Designmäßig seien Digitalkameras scheußlich, die elementaren Funktionen (Zeit, Blende, Entfernung) lediglich über stecknadelgroße Knöpfchen oder schummrigen Displays einzustellen. Dieser Rückschritt werde allerdings kaum noch wahrgenommen. Am besten sei es, so schließt er, man kaufe sich eine klassische analoge Kamera oder baue sich selbst eine.