„Fallversuche“, Fotogramme, 1984

3. Fotogrammsequenzen

Zu Bachlers Erstsemesterprogramm gehörte u.a. ein Fotogrammkurs bei Prof. Floris M. Neusüss. Dies erwies sich für ihn als doppelter Glücksfall, entdeckte er doch hier die magische Welt des Fotolabors und sah ausserdem, dass man mit dem fotografischen Material auch ganz anders als vorgesehen umgehen konnte. Das Fotogramm interessierte ihn doch schien er mit den sich ihm öffnenden, völlig neuen Möglichkeiten, unsicher, fast hilflos. Noch ohne Konzept begann er, das Medium Fotogramm zu untersuchen. Im Rahmen dessen wurde der väterliche Diaprojektor dabei zu einer Apparatur umgebaut, mit dem tatsächlich bewegte Schattenbilder eingefangen werden konnten. Kleinformatige Fotopapierstreifen dienten ihm als Träger für seine Versuche, Zeit, Raum und Bewegung mittels Schattenbild einzufangen. Schnell erwuchsen daraus kurze Bildfolgen, die als Fotogrammsequenzen mit dem Obertitel „Raum/Zeit – Erfindung“ ausgearbeitet ein völlig neues Bild- und Wertesystem formten (siehe auch Abb. Kapitel 24). Streng genommen sind viele seiner Sequenzen jedoch Fälschungen, zeigen also Abläufe auf, die so nicht stattgefunden haben. Hier bietet Bachler eine gewagte These: „Es ist doch völlig egal, ob ein System auf Ehrlichkeit oder Lügen aufgebaut ist, wenn es nur stabil in sich ruht kann es wunderbar funktionieren. Das gilt auch im Leben, manche schöne Lebensgeschichte beruht insgeheim auf Unehrlichkeit, Behauptungen und falschen Erinnerungen – aber gerade diese Leute machen einen besonders glücklichen Eindruck“. Leider ist Bachler ist heute selber nicht mehr ganz in der Lage, alle seine Fotogrammsequenzen zu erklären bzw. ihre Entstehung aufzuschlüsseln.

Fotogrammsequenzen, 1985–86