„Fotobücher“ in der Galerie Steiner, Berlin

„Fotobücher“ in der Galerie Steiner, Berlin

39. Fotobücher

Auf Anfrage erhielt Thomas Bachler 2006 die Erlaubnis, die Observierungsausnahmen der Stasi (sie werden von der BStU archiviert) für künstlerische Zwecke nutzen zu dürfen. Es bedurfte noch zwei Jahre der Recherche, bis Bachler ca. 150 Fotografien ausgewählt hatte, von denen er Scans (mit anonymisierten Personenabbildungen) zur Verfügung gestellt bekam.  Parallel zur Arbeit im Archiv fing Bachler an, nach und nach antiquarische  Bücher ostdeutscher Produktion anzukaufen. Zum Schluss wurden Bilder und Bücher zusammengefügt: An passender Stelle schnitt Bachler in die Buchdeckel rechteckige Löcher um die Fotos quasi im Buch zu passepartourieren. So trifft der im Buchtitel postulierte Anspruch (eines gesellschaftlichen Systems) mit der real existierenden Wirklichkeit aufeinander. Die „Fotobücher“ bilden eine genaue Zeitaufarbeitung aus Sicht eines Künstlers, nicht aus der eines Historikers. Ob er sich denn ein vergleichbare Arbeit über die Bundesrepublik vorstellen könne, frage ich ihn. Bachler überlegt. Natürlich sei es ein unglaublicher Glücksfall gewesen, so tief in die Archive eines Geheimdienstes blicken zu dürfen, dies würde ein bestehender Staat nie zulassen. Wer weiß, was beim BND für Bomben in den Aktenschränken schlummern. Für die Bundesrepublik fände er aber eher eine Arbeit über den Neckermannkatalog stimmiger.

„Fotobücher“, 2010

„Fotobücher“, 2010