Sichelförmige Sonnenprojektion, 11.08.1999

4. Das dritte Auge

Ab 1984 war Thomas Bachler Student in der Klasse von Prof. Neusüss. Dieser gab als neue Semesteraufgabe das Thema „Lochkamera“ vor, kümmerte sich jedoch nicht weiter um die Umsetzung dessen – sein pädagogisches Geschick kam sehr schnell an Grenzen. In Bachler schienen noch Reste vom „Befehl und Gehorsam“ – Denken seiner Militärzeit zu wirken und so machte er sich sofort daran, diese bis dahin kaum beachtete Fototechnik systematisch zu untersuchen. Immerhin blieben vier weitere Studenten beim Thema und so kam es 1985 zum 1. Lochkamerakongress (mit Symposium und Ausstellung) in Deutschland. Der dazugehörige Katalog „Das Loch“ ist längst vergriffen, die dort abgedruckten Arbeiten T. Bachlers gehören mit Sicherheit zu den interessantesten Werken dieser Technik und wurden/werden immer wieder auf Ausstellungen präsentiert.

Die Serie „Das dritte Auge“ zeigt schemenhaft Portraits einer Person; erst die Entstehungsgeschichte dieser Bilder öffnet einem die Augen, sind doch die Aufnahmen im Mund entstanden. Bachler hat seinen eigenen Körper genutzt, um sich selbst im Spiegel zu fotografieren, ist also Kamera, Motiv und Fotograf in eins. Mit kussartig gespitzten Lippen hat er sein Portrait regelrecht aufgesogen! Unter völligem Technikverzicht eine Aufnahme zu machen ist nicht besser umzusetzen, da sieht man über die sich abzeichnende künstlertypische Selbstverliebtheit, die diesen Fotos zwangsläufig mitschwingt, gerne hinweg.

Das dritte Auge, 1985