42. Das Rotlicht

Erst im Studium begann sich T. Bachler für das Fotolabor zu interessieren. Die spezielle Arbeitsatmosphäre dort, dieser eigentümliche Raum, in dessen Rotlicht man sich verlieren kann schienen wie geschaffen für seine Ideen. In einem kurzen Text lobt er die zeitliche wie räumliche Orientierungslosigkeit im Labor und den Umstand, dass hier die äussere Welt zwar mittels Physik und Chemie bildhaft wiederaufersteht, das Ganze aber immer einen fesselnd-mystischen Charakter habe.  Am Computer mit Bildern zu arbeiten, findet Bachler, sei dahingegen öde, der Zauber sei verflogen. Auch gibt er orthopädische Gründe an, warum er noch nicht einmal die elementarsten photoshop-Kenntnisse beherrscht: Seine starken Rückenprobleme würden ein längeres Sitzen vor dem Rechner einfach nicht erlauben. Ob er er sich hier nicht doch zu einfach macht, sei dahingestellt.

Wunderbar anzusehen, zu begehen war seine Installation „Rotlichtbezirk“ im Marburger Kunstverein. Aus Stativen und schwarzem Stoff gebaute Zelte, innen mit roten Glühbirnen ausstaffiert, dazu aus dem off das Singen einer Nachtigall – hier kam alles zusammen: Das rote Leuchten, die Dunkelzelte der Fotopioniere, der magische Raum (hier als Zeltlager präsentiert) und dazu die Nachtigall. Ein Gefühlskonglomerat aus Erotik, Lagerstimmung, Fotografie, ein vielschichtiger Ausflug in die Vergangenheit des Mediums, der allerdings nicht mehr mit der Jetztzeit verknüpft war: Die meist jugendlichen Besucher konnten mit dieser Installation nichts anfangen; internet und iphone haben Rotlicht und Rodinal schon längst abgelöst.

Installation „Rotlichtbezirk“, 2010

Installation „Rotlichtbezirk“, 2010