Memory Spiel, 1989

Memory Spiel, 1989

7. Selbstverlag

Ab Mitte der 80er Jahre begann Thomas Bachler, Künstlerbücher zu produzieren und auf der Mainzer Minipressenmesse anzubieten. Die Veröffentlichungen „Ab 1945 – Fotomomente“ und „Malbuch“ sind hier hervorzuheben, befassen sie sich beide mit der Wirkungsweise der publizierten Fotografie, speziell der Reportagefotografie. Dieses Genre hat Bachler durchforstet und die „berühmtesten“ Bilder dann mit einfachen, konturumreissenden Strichen nachgezeichnet. Der Betrachter dieser Bücher blickt also auf eine Zeichnung, „sieht“ aber das zugrundeliegende Foto. So stark haben sich bestimmte Bilder ins Gedächtnis eingebrannt, dass man kann sich ihnen nicht mehr erwehren kann. Andere Publikationen seines Selbstverlages sind weniger originell, die Neuauflage von Brehms Tierleben etwa oder die überarbeitete Variante von Kempes „Gesicht des deutschen Soldaten“ – hier wurden die Soldatengesichter einfach mit neuen Portraits (entnommen der aktuellen Modewerbung) überklebt – immerhin, der propagierte arische Typ ist im bundesrepublikanischen Fotostudio deutlicher sichtbar als im Schützengraben. Im Rahmen der Ausstellung „Sehen und Vergessen“(Alte Feuerwache Mannheim, 1989)  konzipiert er mit dem Copy art Künstler Karl-Hermann Möller ein Memoryspiel. Bachlers Konturbilder treffen hier auf Möllers per Fotokopierer erstellte Rastersysteme… wer sich das merken kann, hat wirklich gewonnen.

aus „Ab 1945 – Fotomomente“, 1987