„Im Gericht brennt noch Licht“, ohne Jahr

„Im Gericht brennt noch Licht“, ohne Jahr

9. Hakenkreuze

Hakenkreuzabbildungen irritieren immer wieder, wenn man sich in Thomas Bachlers Archiv einarbeitet. Als erstes Beispiel sei hier die – leider nicht ausgeführte – Installation „Im Gericht brennt noch Licht“ erwähnt: Vier brennende Büroleuchten formen ein Hakenkreuz. Als Wandinstallation für das Hochschulsymposium „Krieg und Medien“  (ohne Jahresangabe) konzipiert, wurde es im letzten Moment vom Veranstalter untersagt. Bedauerlich, denn die Arbeit trifft genau, wobei der kinderreimhafte Titel dem Ganzen noch einen konträr naiven Anstrich gibt. In der Videoarbeit „Ostfront“ (2001) sieht man, wie eine Person (höchstwahrscheinlich der Künstler selbst) ein Hakenkreuz in eine frische Schneedecke uriniert. Zusammen mit den anderen Sequenzen dieses Videos – eine kruse Mischung verschiedenster Bilder, meist privater Natur – ergibt sich ein verstörendes Gesamtbild aus dem Blickwinkel einer übersteigerten, psychotischen Wahrnehmung gepaart mit lähmenden, leeren Kameraeinstellungen. Es kam zu zwei öffentlichen Aufführungen, wobei der Arbeit wiederholt vorgeworfen wurde, keine klare Aussage zu haben. Die gewünschte kritische Auseinandersetzung mit dem schweren Themas regelrecht vermieden wurde.

aus dem Video „Ostfront“, 2001

aus dem Video „Ostfront“, 2001